ESG & Nachhaltigkeit in der Logistik

Die Logistikbranche steht vor einem Wandel: Nachhaltigkeit ist nicht länger Kür, sondern Pflicht. Sie bildet die Grundlage für resiliente, effiziente und zukunftsfähige Lieferketten. Nachhaltigkeit beeinflusst, welche Standorte für Logistikimmobilien ausgewählt, wie die Logistikimmobilien betrieben und wie Investitionen sowie Risiken bewertet werden. Jedoch ist Nachhaltigkeit in der Praxis nur stichhaltig, wenn ESG-Anforderungen mess-, steuer- und umsetzbar sind.

 Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Logistik?
  2. Was sind ESG-Kriterien?
  3. Wie ist ein Logistikstandort nachhaltig?
  4. Was unterscheidet eine nachhaltige Logistikimmobilie?
  5. Kritik an Nachhaltigkeit in der Logistik
  6. Use Cases: Was funktioniert in der Praxis?
  7. Umsetzung bei Standortsuche

1. Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Logistik?

 

Nachhaltigkeit in der Logistik wirkt bei Standort- und Immobilienentscheidungen in mehreren Dimensionen. Genau deshalb ist sie ein relevanter Bestandteil professioneller Analysen und Strategien.

In der Praxis zeigt Nachhaltigkeit auf vier Ebenen Wirkung:

  • Wettbewerbsfaktor: Es wird Transparenz und Fortschritt entlang definierter ESG-Ziele erwartet. Nachhaltigkeit wird damit Teil von Ausschreibungen, Service-Level-Vereinbarungen und langfristigen Lieferbeziehungen.
  • Kostenfaktor (OPEX): Energie, Betriebskosten, Instandhaltung und Prozesseffizienz entscheiden über die Wirtschaftlichkeit – besonders bei energieintensiver Produktion oder bei hohem Durchsatz.
  • Risikofaktor: Anforderungen, Genehmigungen, Resilienz und die soziale Akzeptanz am Standort beeinflussen Betriebsablauf und Sicherheit.
  • Finanzierungsfaktor: Banken und InvestorInnen bewerten Nachhaltigkeit und Nachweise zunehmend bei Kredit-, Investitions- und Exit-Entscheidungen.

2. Was sind ESG-Kriterien?

 

ESG steht für Environmental, Social, Governance. Das ESG-Modell trägt dazu bei, Nachhaltigkeit strukturiert zu erfassen und hilft dabei, die Anforderungen so zu definieren, dass sie in Standortsuche, Planung und Betrieb überprüfbar sind.

Umweltkriterien

Im Logistikimmobilienkontext zählen dazu unter anderem:

  • Energieverbrauch und Energieträger
  • Emissionen (direkt und indirekt, soweit im Betrieb beeinflussbar)
  • Ressourcen- und Flächennutzung
  • Klimaresilienz (Hitze, Starkregen, Überflutung)
  • Biodiversität und Außenanlagenkonzept

Soziale Kriterien

  • Arbeitsschutz und Sicherheit
  • Gesundheit, Ergonomie, Aufenthaltsqualität
  • Erreichbarkeit (ÖPNV) als Standort- und Recruitingfaktor
  • Umfeld (Akzeptanz, Verkehrslenkung, Betriebszeiten)

In der Logistik sind soziale Aspekte häufig stärker ausschlaggebend als in anderen Asset-Klassen.

Steuerung & Regularien

Governance ist die Voraussetzung, um ESG dauerhaft umzusetzen:

  • Datenverfügbarkeit und Datenqualität (Messbarkeit, KPIs, Reporting)
  • Compliance und klare Verantwortlichkeiten
  • Lieferkettenstandards
  • Steuerungsprozesse (Facility, Security, Entsorgung, Energie)
  • Vertragsmechanismen, z. B. Green Lease-Ansätze (gemeinsame Ziele, Transparenz, Datenrechte)

Außerdem gewinnt ESG an Bedeutung durch Reporting- und Transparenzanforderungen. In der EU ist dafür insbesondere die CSRD maßgeblich. Diese EU-Richtlinie erweitert die Pflicht zur Berichterstattung und erhöht die Vergleichbarkeit, indem Unternehmen standardisiert offenlegen müssen, welche wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen ihr Geschäft prägen und wie ihre Geschäftstätigkeit umgekehrt Umwelt und Gesellschaft beeinflusst.

Die CSRD wird operativ durch die ESRS konkretisiert. Die ESRS definieren, welche Inhalte zu berichten sind (z. B. Strategie, Ziele, Maßnahmen, Governance, Kennzahlen). Für Logistikunternehmen bedeutet das in der Praxis: ESG-Aussagen brauchen eine belastbare Datengrundlage (z. B. Energie- und Verbrauchsdaten, Maßnahmenstatus, Nachweise, Verantwortlichkeiten). Sonst sind sie weder intern steuerbar noch extern prüf- und berichtsfähig.

Ergänzend wirkt die EU-Taxonomie als ein einheitliches, europäisches Klassifizierungssystem. Sie definiert rechtsverbindlich, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten als ökologisch nachhaltig gelten. Viele Unternehmen müssen im Rahmen ihrer Berichte auch darlegen, in welchem Umfang Aktivitäten taxonomiekonform sind.

Das BREEAM-Zertifikat gilt zusätzlich als Maßstab für nachhaltige Planung, Bau und Betrieb. Für Logistikimmobilien ist BREEAM eine strukturierte Benchmark und dient als Nachweis, ersetzt aber nicht das laufende Monitoring im Betrieb, wenn ESG tatsächlich gesteuert werden soll.

3. Wann ist ein Logistikstandort nachhaltig?

 

Ein Logistikstandort kann in Bezug auf Nachhaltigkeit nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist die Kombination aus Standort, Immobilie und Betrieb.

Welche Kriterien bestimmen die Lage?

Ein nachhaltiger Standort zeichnet sich typischerweise durch Rahmenbedingungen aus, die den Betrieb effizient, resilient und sozial verträglich machen, zum Beispiel:

  • Geeignete Verkehrs- und Netzanbindung (Straße, Schiene, Wasser)
  • Nähe zu Absatzmärkten (Transportwege und Emissionen)
  • Potenzial für Modal Shift (Verlagerung auf nachhaltige Alternativen)
  • Arbeitsmarkt und Erreichbarkeit (Recruiting, Schichtbetrieb, ÖPNV)
  • Klimarisiken minimieren (Starkregen, Hitze, Überflutung)

 

Nachhaltige Logistikimmobilie

Die Immobilie erfüllt die technischen Voraussetzungen hinsichtlich Nachhaltigkeit, zum Beispiel:

  • Energieeffizienz, PV-/Grünstromfähigkeit, Energiemonitoring
  • Robuste technische Infrastruktur, Erweiterbarkeit und Wartungsfähigkeit
  • Material- und Baukonzept (Lebenszyklus)

Logistik Know-how

Wie finden Sie die passende Logistikimmobilie am richtigen Standort? Erfahren Sie mehr in unserem Beitrag Praxis-Guide: Standortsuche in der Logistik.

Panorama eines Gewerbegebiets

4. Was zeichnet eine nachhaltige Logistikimmobilie aus?

 

Eine nachhaltige Logistikimmobilie geht über reine Energieeffizienz hinaus. Sie ist darauf ausgelegt, ESG-Ziele langfristig zu erfüllen und einen resilienten, wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten. Dazu gehören eine belastbare Datengrundlage, gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung sowie die Fähigkeit, auf regulatorische und klimabedingte Anforderungen zu reagieren.

Energie und Betrieb

  • Die Grundlage für mehr Energieeffizienz ist Transparenz: Energieverbräuche und Energieträger sollten systematisch erfasst werden. Besonders aussagekräftig ist ein Monitoring, das mithilfe von Submetering nicht nur den Gesamtverbrauch, sondern auch einzelne Verbrauchsbereiche sichtbar macht.
  • Die Fähigkeit zur Nutzung von Photovoltaik und Grünstrom sowie ein intelligentes Lastmanagement steigern die Wirtschaftlichkeit und verringern Abhängigkeiten – insbesondere bei zunehmend elektrifizierten Prozessen.
  • Energieintensive Betriebsformen, beispielsweise mit Kühl- oder Temperaturführungsanforderungen, erfordern zusätzliche Maßnahmen zur Sicherstellung von Resilienz und Versorgungssicherheit.

Material, Konstruktion, Lebenszyklus

Nachhaltigkeit endet nicht beim Betrieb einer Immobilie. Auch Materialwahl, Wartungsfreundlichkeit und die Möglichkeit zukünftiger Modernisierungen tragen entscheidend zu einer langfristig nachhaltigen Nutzung bei.

Wasser, Flächen, Ökologie

Regenwassermanagement, Entwässerung, Versiegelung und Außenanlagen sind für viele Standorte von zentraler Bedeutung. Sie beeinflussen sowohl die ökologische Qualität als auch die Genehmigungsfähigkeit von Immobilien.

Klimaresilienz

Hitze- und Starkregen werden in der Planung berücksichtigt, inklusive Notfall- und Betriebsunterbrechungen, wenn der Use Case es erfordert.

Arbeitsfähigkeit und Sicherheit

Arbeitsschutz, Sicherheitskonzepte und ergonomische Arbeitsplätze sind essenziell – gerade in personalintensiven Logistikprozessen.

Erreichbarkeit

ÖPNV, sichere Wege, Parkraum, Schichtfähigkeit und Recruitinglösungen sind ESG-relevant, weil sie die soziale Tragfähigkeit und Betriebsstabilität beeinflussen.

Umfeldverträglichkeit

Emission, Verkehrslenkung und Betriebszeiten sollten nicht erst in der späten Projektphase betrachtet werden. Akzeptanz im Umfeld ist wichtig für eine langfristige Inbetriebnahme.

Messbarkeit und Reporting

Ohne Daten gibt es keine Steuerung. Governance bedeutet daher auch, dass Messungen, Datenqualität und Verantwortlichkeiten von Anfang an definiert werden.

Dienstleistungen und Standards

Betreiber- und Facility-Standards (z. B. Wartung, Entsorgung, Security) sollten ESG-Ziele unterstützen.

Green Lease und Vertragsgestaltung

Green Lease sichert ESG-Ziele im Mietverhältnis ab, z. B. über Datenrechte, Zielvereinbarungen und Verantwortlichkeiten.

Zertifizierungen

Zertifizierungen (z. B. DGNB) können Orientierung geben, ersetzen aber nicht die betriebliche Messbarkeit und Umsetzung.

5. Kritik an Nachhaltigkeit in der Logistik

 

Nachhaltigkeit in der Logistik ist nicht frei von Zielkonflikten. Ein überzeugender ESG-Ansatz erkennt diese Spannungsfelder und macht sie transparent.

Greenwashing: Labels ohne Monitoring

Ein häufiger Kritikpunkt ist Greenwashing. Es existieren Claims oder Labels, aber gleichzeitig fehlen Betriebsdaten, Messbarkeit und kontinuierliche Steuerung. Nachhaltigkeit verkommt damit zum reinen Marketing-Tool.

Trade-offs: Service vs. Verkehrsbelastung

Last-Mile-Standorte können Service-Level verbessern – gleichzeitig können sie Verkehr, Lärm und Flächenkonflikte in der Region erhöhen. Hier entscheidet die Qualität der Standort- und Betriebskonzepte, ob ein Projekt regional sozial verträglich und resilient ist.

Flächenverbrauch und Versiegelung

Logistik benötigt Fläche. Wachstum und ökologische Ziele können in Konflikt geraten, insbesondere bei Greenfield. Neben Neubau gilt es Alternativen in Betracht zu ziehen (Brownfield, Retrofit, mehrgeschossige Konzepte, Flächeneffizienz).

Rebound-Effekt

Ein weiterer Aspekt ist der sogenannte Rebound-Effekt: Effizienzsteigerungen können zu einem höheren Leistungs- oder Transportvolumen führen, wodurch der tatsächliche Nachhaltigkeitseffekt geringer ausfällt als ursprünglich erwartet. Um dies zu vermeiden, ist eine aussagekräftige KPI-Systematik entscheidend. Sie sollte neben der Effizienz pro Einheit auch die absolute Entwicklung transparent abbilden.

Soziale Realität

Ein ESG-Ansatz, der nur Energie und CO₂ betrachtet, bleibt unvollständig. Arbeitsbedingungen, Sicherheit, Erreichbarkeit und Umfeld sind in vielen Logistikprojekten die eigentlichen Stabilitätsfaktoren.

6. Use Cases: Was funktioniert in der Praxis?

 

Nachhaltigkeit wird in der Logistik vor allem dann relevant, wenn sie konkrete Entscheidungen beeinflusst. Das gilt bei der Planung neuer Logistikimmobilien, bei der Modernisierung bestehender Objekte und im laufenden Betrieb. Die folgenden drei Use Cases zeigen, wo ESG-Kriterien praktisch wirken und welche Fragen dabei im Mittelpunkt stehen.

Ziel: Eine neue Logistikimmobilie soll von Beginn an so geplant werden, dass Standort, Gebäude, Energieversorgung und spätere Nutzung langfristig tragfähig sind.

Maßnahmen:

  • Geeigneten Standort mit Blick auf Verkehrsanbindung, Flächenverbrauch und Genehmigungsfähigkeit prüfen
  • Energieversorgung, PV-Potenzial, Ladeinfrastruktur und Verbrauchsmessung früh einplanen
  • Regenwasser, Versiegelung, Außenflächen und mögliche Auflagen berücksichtigen
  • Anforderungen von Nutzern, Investoren und Behörden bereits in der Planung mitdenken

KPIs, auf die es dabei ankommt:

  • Flächenversiegelung und Grundstücksausnutzung
  • Energiebedarf des Gebäudes
  • PV-Potenzial und Eigenstromnutzung
  • Erreichbarkeit für Mitarbeitende, Lieferverkehr und Kunden
  • Genehmigungs- und Umsetzungsrisiken

Risiken: 

  • Standort ist langfristig nicht für die geplante Nutzung geeignet
  • Nachhaltigkeitsanforderungen werden zu spät berücksichtigt
  • Genehmigungen, Auflagen oder Infrastrukturthemen verzögern das Projekt
  • Spätere Betriebskosten fallen höher aus als erwartet

So wird Nachhaltigkeit bereits in der frühen Projektphase zu einem Entscheidungskriterium – nicht erst zu einem nachträglichen Optimierungsthema.

Ziel: Eine bestehende Logistikimmobilie soll mit Blick auf ESG wirtschaftlich und technisch verbessert werden, ohne den laufenden Betrieb unnötig zu belasten.

Maßnahmen:

  • Energieverbräuche und Betriebskosten erfassen
  • Beleuchtung, Tore, Heizungs-, Kühl- und Lüftungstechnik prüfen
  • PV, Ladeinfrastruktur oder Messsysteme nachrüsten
  • Maßnahmen nach Aufwand, Einsparpotenzial und Umsetzbarkeit priorisieren
  • Datenlücken schließen, um Verbesserungen nachweisen zu können

KPIs, auf die es dabei ankommt:

  • Energieverbrauch vor und nach der Maßnahme
  • Betriebskosten je Quadratmeter
  • Instandhaltungsaufwand
  • Technische Verfügbarkeit
  • CO₂-Reduktion oder Einsparpotenzial
  • Amortisationszeit der Maßnahmen

Risiken:

  • Technische Grenzen des Bestands
  • Hohe Investitionskosten ohne klare Wirkung
  • Einschränkungen während des laufenden Betriebs
  • Unklare Datenlage bei Verbrauch, Zustand oder Kosten
  • Konflikte zwischen Eigentümer, Betreiber und Nutzer bei Zuständigkeiten und Kosten

Dadurch lassen sich Maßnahmen gezielt priorisieren und Verbesserungen nachvollziehbar gegenüber NutzerInnen oder zur Finanzierung belegen.

Ziel: Der laufende Betrieb einer Logistikimmobilie soll so gesteuert werden, dass ESG-Anforderungen nicht nur umgesetzt, sondern dauerhaft messbar, dokumentierbar und gezielt verbesserbar werden.

Maßnahmen:

  • Energieverbrauch, Emissionen und Betriebskosten regelmäßig erfassen
  • Verbrauchsdaten nach Fläche, Nutzer oder Prozess auswerten
  • Verkehrsführung, Anlieferung, Ladezonen und Betriebszeiten mit Blick auf Emissionen, Lärm und Umfeldbelastung prüfen
  • Anforderungen unterschiedlicher NutzerInnen berücksichtigen, zum Beispiel bei Kühlflächen, Last-Mile-Logistik oder 3PL-Nutzung
  • Verantwortlichkeiten zwischen Eigentümer und Betreiber klar regeln
  • Daten für ESG-Reporting, Investorenanforderungen und interne Steuerung nutzbar machen

KPIs, auf die es dabei ankommt:

  • Energieverbrauch im laufenden Betrieb
  • CO₂-Emissionen oder CO₂-Einsparungen
  • Betriebskosten je Quadratmeter oder Nutzer
  • Auslastung von Flächen, Ladezonen und technischen Anlagen
  • Verkehrs- und Lieferfrequenz
  • Lärm-, Verkehrs- oder Umfeldbelastung
  • Vollständigkeit und Qualität der ESG-relevanten Betriebsdaten

Risiken:

  • ESG-Ziele bleiben abstrakt, weil belastbare Betriebsdaten fehlen
  • Hohe Verbräuche oder Emissionen werden zu spät erkannt
  • Nutzeranforderungen passen nicht zur ESG-Strategie der Immobilie
  • Verantwortlichkeiten für Verbrauch, Kosten und Maßnahmen sind nicht eindeutig geregelt
  • Reporting-Anforderungen von Investoren, Finanzierungspartnern oder Nutzern können nicht sauber erfüllt werden

Damit wird ESG im täglichen Betrieb nachweisbar: durch messbare Verbrauchswerte, transparente Prozesse und klare Zuständigkeiten. Erst wenn die relevanten Daten und Handlungsfelder sichtbar werden, lassen sich konkrete Maßnahmen gezielt planen, umsetzen und weiterentwickeln.

Use-Case-Matrix

So findet die Matrix Anwendung:

  • Pro Use Case 1-2 ESG-Kriterien als Schwerpunkte (Must-haves) setzen.
  • Diese Schwerpunkte im Scoring stärker gewichten.
  • Die wesentlichen Risiken in der Due Diligence überprüfen.
Tabelle Use-Case-Matrix nachhaltige Logistik Betriebsbeispiele

7. Umsetzung bei der Standortsuche

 

Nachhaltigkeit entfaltet in der Standortsuche für Logistikimmobilien ihre größte Wirkung, wenn sie nicht als abschließender Prüfschritt verstanden wird. Entscheidend ist vielmehr, ESG-Kriterien frühzeitig und durchgängig in den Entscheidungsprozess zu integrieren. Der Blogbeitrag Praxis-Guide: Standortsuche in der Logistik unterstützt ergänzend beim strukturierten Vorgehen.

ESG-Anforderungen in den Must-haves, Soll-Kriterien bzw. Nice-to-have definieren. Folgendes Beispiel zur Veranschaulichung:

Must-haves

  • Datenfähigkeit (Messbarkeit) für zentrale Verbräuche
  • Realistische Energieperspektive (z. B. Anschlussleistung, Betriebskonzept)
  • Betriebszeiten (z.B. Schichtbetrieb)

Soll-Kriterien

  • ÖPNV-Erreichbarkeit
  • Maßnahmenfähigkeit
  • Energiestandard, Photovoltaik-Potenzial

Nice-to-have

  • Ladeinfrastruktur-Perspektive

Im Scoring kann ESG als eigene Bewertungsdimension geführt werden. Dies unterstreicht die Bedeutsamkeit von Nachhaltigkeit bei der Standort- und Immobiliensuche in der Logistik. Entscheidend ist eine klare Bewertung:

  • Was bedeutet jede Punktzahl konkret?
  • Welche Daten oder Nachweise werden akzeptiert?
  • Welche Risiken führen zum Ausschluss?

In der Due Diligence wird ESG geprüft und verifiziert. Praxisnahe Prüffelder sind:

  • Datenlage und Monitoringfähigkeit (Messkonzept, Zähler, Submetering)
  • Energieperspektive (Anschluss, Lastprofil, Betriebskonzept, OPEX-Sensitivität)
  • Resilienz (Starkregen/Hitze, Entwässerung, Notfallkonzept)
  • Vertragsabwicklung (Green Lease, Datenrechte, Verantwortlichkeiten, CAPEX/OPEX)

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Zusammenfassung

 

Nachhaltigkeit in der Logistik ist eine Standort-, Gebäude- und Betriebsfrage zugleich.

  1. Bei Immobilienentscheidungen wirkt Nachhaltigkeit in der Praxis auf vier Ebenen: Wettbewerbs-, Kosten-, Risiko- und Finanzierungsfaktor.
  2. Nachhaltigkeit ist beständig, wenn sie über Daten, Kennzahlen und Monitoring messbar ist.
  3. ESG entfaltet nur dann echten Mehrwert, wenn alle drei Aspekte (Environment, Social und Governance) berücksichtigt werden.
  4. Der Use Case entscheidet über die Zielsetzung, KPIs und sinnvolle Maßnahmen.
  5. Wer ESG bei der Standortsuche bereits in Suchprofil, Scoring und Due Diligence integriert, reduziert Risiken und Folgekosten.

Häufig gestellte Fragen – FAQs

ESG beeinflusst Standortentscheidungen direkt über Wettbewerbsfähigkeit, Betriebskosten, Risikobewertung und Finanzplanung.

Besonders relevant sind Energie/Emissionen und Messbarkeit (E), Erreichbarkeit und Arbeitsbedingungen (S) sowie Datenqualität, Verantwortlichkeit und vertragliche Steuerung (G).

Energieeffizienz ist nur eine Komponente der Nachhaltigkeit. Nachhaltige Logistikimmobilien sind zusätzlich datenfähig, resilient, sozial verträglich und langfristig steuerbar.

Entscheidend sind belastbare Verbrauchsdaten, Energiekonzept, Nachweise zur Gebäudequalität und Modernisierungsfähigkeit. Zertifizierungen sind hilfreich Richtlinien, die es als Standards einzuhalten gilt.

Kritik betrifft vor allem Greenwashing, Flächenverbrauch/Versiegelung, Trade-offs (z. B. Last-Mile vs. Verkehrsbelastung) und den Rebound-Effekt. Unternehmen begegnen diesen Kritikpunkten mit klaren KPIs, Monitoring, transparenten Prozessen und einer nachweisbasierten Maßnahmenplanung (inkl. Restrisiken).

ESG-Kriterien werden im Suchprofil (Must/Soll/Nice-to-have), als eigene Dimension im Standort-Scoring sowie sowie im Rahmen der Due Diligence als separate Prüfkategorie berücksichtigt.

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